Folge 76 - Claudio Niggenkemper. Wenn es eng wird im Land.
Shownotes
Claudio stammt aus Münster und er kann bestätigen: Die Stadt ist wirklich so, wie sie im berühmten Tatort vorgeführt wird. Wie so viele ist er nach Graz der Liebe wegen gezogen. Mittlerweile arbeitet er an seinem Studienabschluss, ist freier Autor und Texter und vor allem: Er bildet gemeinsam mit Julia Reiter die Co-Redaktionsleitung bei der Straßenzeitung MEGAPHON.
Wie es dem Magazin geht in Zeiten der sozialen und kulturellen Sparwellen, warum Claudio lieber nicht in die Politik gehen würde und warum es sich lohnt, auch zur Monatsmitte das Megaphon zu kaufen, das besprechen wir in einer knappen halben Stunde.
Hier noch ein Appell: Dem Projekt geht es auch nach erfolgreichem Crowdfunding nicht übertrieben gut. Euer Abo, eure Unterstützung und die eures Unternehmens könnte entscheidend weiterhelfen. Wir brauchen Medien wie dieses, die unabhängig berichten und viele verschiedene Perspektiven zu Papier bringen.
Texte und Infos gibt es hier: https://www.megaphon.at
<p>Eine Produktion von <a href="https://daspod.at/" rel="nofollow">DAS POD</a>. Idee, Fotos & Moderation: Wolfgang Kühnelt, <a href="https://haubentaucher.at/" rel="nofollow">www.haubentaucher.at</a></p>
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:33: Hallo
00:00:33: Wolfgang, danke dass ich da sein darf.
00:00:38: Ganz kurz unserem Publikum vor, ist in Münster geboren.
00:00:52: Wir haben vielleicht auch noch klären erste journalistische Gehversuche über Blogs und Webseiten zu Technikthemen während des Studiums, quer einsteiger bei Megafon über einen Praktikum mittlerweile eben Ko-Redaktionsleitung und damit verantwortlich für die inhaltliche Leitung zusammen mit der Julia Reiter, nebenbei als freier Journalist und Textartetik.
00:01:13: So Münster kenne ich eigentlich nur aus dem Tatort mit Birne und Thiel.
00:01:19: wie gut spiegelt der Tatort die Stadt wieder?
00:01:22: Und Anschlussfrage was spricht dafür oder dagegen nach Münster zu fahren?
00:01:27: Also es ist lustig dass der Tatord immer als Anekdote zum Münster gebracht wird die einzige Referenz, die Menschen jenseits der Landesgrenze sozusagen kennen.
00:01:38: Es spiegelt aber sehr gut die Stadt wieder.
00:01:40: tatsächlich.
00:01:40: also ich glaube soweit ich mich daran erinnere den letzten Tatort im Münster-Tatort habe ich glaube vor zwei Jahren gesehen.
00:01:47: viele Fahrräder sehr viel Sonnenstunden aber auch sehr viel Regen.
00:01:51: es wechselt nämlich immer sehr stark ab und einfach eine sehr Eine
00:01:58: schöne Altstadt.
00:01:59: Ja, also sehr gut wiederaufgebauter Altstadt tatsächlich eine der wenigen Altstädter die so in der Form wieder aufgebaut wurden.
00:02:05: Also einfach eine schöne Stadt muss ich sagen.
00:02:08: Also sprich dafür Datin zu fahren?
00:02:10: Anders hat es offensichtlich Gründe gegeben auszuwandern.
00:02:13: warum grad?
00:02:15: Ganz einfach der Bildungsweg meiner Partnerin sozusagen, mit der ich damit zusammen gewohnt habe und immer noch zusammen wohne hat uns über die Grenze verschlagen.
00:02:24: Sie wollte einen Zweitstudium machen.
00:02:26: Ich war fertig mit dem Studium Bachelor und wollte etwas Richtung Geschlechterwissenschaften machen.
00:02:31: Und die Idee war dann wo können wir das kombinieren?
00:02:33: Wo ist die Möglichkeit noch gegeben?
00:02:34: Und letztendlich wurde es dann Graz.
00:02:36: Es war so ein bisschen die Frage Wien oder Graz!
00:02:42: Mit so einer großen Stadt wie Münster oder Graz ganz gut klarkommt, also dreihunderttausend plus Einwohnerinnen ist das womit ich mich ganz wohlfühle.
00:02:49: Wien ist dann doch etwas groß vielleicht für den nächsten Step.
00:02:53: Da gehe ich leichtere Schritte.
00:02:56: So!
00:02:56: Das Megafon für alle die es nicht kennen und das werden hoffentlich wenige sein, ist eine Grazer Straßenzeitung, die einmal im Monat rauskommt und zum Caritas Konzern gehört.
00:03:05: sozusagen Auf der Website des Megafonds liest man folgendes.
00:03:10: Unsere Crowdfunding-Kampan ist abgeschlossen und es wurde ein Ziel von ca.
00:03:14: umfünfzehntausend Euro erreicht, damit das Jahr zwanzig fünfundzwanzig zumindest einmal finanziell abgesichert.
00:03:21: Zwanzig sechsundzwzig fehlen uns erneut knapp vierzigtausend Euro weil die Sozialkürzungen der steirischen FPÖ-VB Landesregierung euch hart getroffen haben.
00:03:32: Wie viele andere soziale Inrichtungen stehen wir damit vor großen Herausforderungen?
00:03:37: Meine Frage jetzt, wie sehr muss ich mir denn um das Megaphone Sorgen machen und was können wir tun, um das bestehend zu sichern.
00:03:44: Ja, das ist immer die große Frage, die mich auch im Collegium, sage ich mal, immer wieder konfrontiert wird der bekonfrontiert werden und ich auch in meinem Freundinnenkreis Sorgen machen muss man sich schon ganz konkret um das Projekt.
00:03:57: Es geht halt wie vergangenes Jahr auch um die Existenz letztendlich, wir müssen Gelder generieren, die über unsere Einnahmen hinaus gehen und auch über die Unterstützungsgelder sozusagen festbestanden haben, wie über die Stadt hinausgehen, um uns noch retten zu können sage ich mal in dem Sinne Die vierzigtausend, die da veranschlagt sind.
00:04:17: Das ist eben das was wir im vergangenen Jahr fest eingeplant hatten und ab der zweiten Jahreshälfte uns dann gestrichen wurde.
00:04:23: Eben die zweite Hälfte, die zwanzigtausende in etwa.
00:04:27: Da spielen aber auch Gelder zum Beispiel rein, die nicht direkt so als Einmalungsschützung geflossen sind sondern auch zb für Erstellung einer Weihnachtsfeier für unsere Verkäuferinnen, also jegliche Angebote die wir die Jahre davor anbieten konnten sind letztendlich weggefallen und da müssen wir schauen wie wir das Jahr jetzt gestalten.
00:04:47: Also es wird alles etwas abgespeckter und damit sind wir sozusagen weiterhin konfrontiert und schauen von Jahr zu Jahr wie wir uns da halten können.
00:04:56: Kleiner Disclaimer, wir arbeiten über die FA Jurnee auch ein bisschen gemeinsam und meine Studis hatten den Auftrag eigentlich auf zwei Ebenen zu arbeiten.
00:05:04: Nämlich einerseits den Leuten zu sagen kauft's das Heft und gibt es dem Verkäufer oder der Verkäuferin nicht einfach nur fünfzig Cent Trinkgeld?
00:05:10: Und das Zweite war eben so Firmen dazu zu bringen dass sie vielleicht größere Summen locker machen.
00:05:19: Wie wie läuft das?
00:05:21: Was erwartet du dir?
00:05:23: melden sich da jetzt eh vielleicht die ersten Unternehmen generell oder was brauchen wir dann?
00:05:29: Also generell um das Megafon zu unterstützen, vielleicht auf der ganz kleinen Individualebene sage ich mal ist es schon ganz wichtig in den Austausch mit den Verkäuferinnen zu treten und abseits des Mediums allein das ganze Projekt zu verstehen.
00:05:43: Sich etwas damit auseinanderzusetzen – das ist unser größtes Gut nach außen hinzukommen kommunizieren.
00:05:49: was ist das Megaphone?
00:05:50: Wofür steht das Megaphon und wie ist dieses Medium mit der sozialen Initiative verproben und wie funktioniert?
00:05:59: Ganz wichtig ist dabei, dass das Heft tatsächlich wenn man VerkäuferInnen unterstützen möchte mitgenommen wird damit eben dieser Kreislauf der die Selbstständigkeit unserer VerkäuerInnen beinhaltet aufrechterhalten werden kann.
00:06:15: Solange das Projekt da ist solange können die Verkäuferinnen auch legitim auf der Straße stehen und einen Medium verkaufen.
00:06:21: Wenn das Projekt nicht mehr da ist, entfällt diese Möglichkeit und Verkäuferinnen haben letztendlich wenig Möglichkeiten Einnahmen zu generieren.
00:06:28: Und das Medium ist eben auch weg.
00:06:30: sprich heft immer mitnehmen am besten auch mal reinschauen.
00:06:34: Zu deiner Frage zurückzukommen was jetzt passiert ob viele Unternehmen auf uns schon zugekommen sind in Folge dessen oder naja dann muss man sagen Das Jahr hat jetzt gerade erst angefangen, wir befinden uns Ende Jenner.
00:06:47: Noch ist noch nicht so viel passiert.
00:06:49: Wir versuchen uns neu zu sortieren und versuchen neue Spendenwege aufzustellen.
00:06:53: das beinhaltet auch die Umstellung der Website.
00:06:56: Da arbeiten wir gerade dran.
00:06:57: wie kann man besser spenden niederschwelliger?
00:07:01: Und wie ist der Zugang sozusagen zu unserem Spenden?
00:07:04: aber doch ist da noch nicht viel passiert?
00:07:06: Wir hoffen natürlich dass jeden Moment ein großer Spender eine große Spenderin sich denkt Da gibt Butter unser Geld rein.
00:07:13: Das wäre sehr schön, aber bisher ist es noch nicht passiert.
00:07:16: Ihr Vorstandsvorsitzender draußen!
00:07:19: Es wird Zeit... Auf der Webseite Caritas habe ich von dir folgendes Statement gefunden, was sich durch die Nähe zu den Verkäuferinnen weiß ist dass die Realitäten zwischen mir und ihnen weiter auseinander klaffen als naiv erhofft.
00:07:32: Armut, Diskriminierung und die tägliche Konfrontation mit liebensverändernden Unsicherheiten sind Wegbegleiter jener, die zur Bewältigung des Lebenstag täglich auf den Straßen ein Magazin verkaufen.
00:07:43: Erzähl mal wer sind denn die Menschen, die uns das Megaphone verkaufen wollen?
00:07:48: Generell darf das theoretisch jeder.
00:07:52: Also, das Megaphone steht allen Menschen offen, dass erstmal vorweg.
00:07:56: was wir aber immer mehr beobachten oder die letzten Jahrzehnte sozusagen beobachtet ist, dass wir ganz viele Menschen haben, die vor allem aus westafrikanischen Ländern migriert sind.
00:08:06: in schwierigen Arbeitsverhältnisse und Arbeitssituationen sind sowohl arbeitsrechtlich entweder keinen Zugang haben oder noch keinen oder im Asylprozess sind.
00:08:16: sprich eine relativ heterogene Gruppe an Menschen aus den westafrikanischen Regionen, darüber hinaus aber auch sehr viele Menschen aus der Balkanregion bzw.
00:08:25: osteuropäischen Ländern die teilweise zeitlich unabhängig oder zeitlich abhängig in Österreich sind und noch einen Zusatzverdienst brauchen.
00:08:37: Darüber hinaus sind aber auch allgemein armutsbetroffene Menschen unsere VerkäuferInnen.
00:08:41: Im Vergleich zu anderen Straßenzeitungen sind es wesentlich weniger Menschen, die wohnungslos sind bzw obdachlos Aber das unterscheidet sich eben von Ort zu Ort.
00:08:50: also andere Straßenzeitung haben da ein anderes Bild an VerkäuerInnen wir eben relativ stark in dieser Szene.
00:08:56: Das hat sich über die letzten Jahrzehnte entwickelt kann ich selber gar nicht ganz rekonstruieren.
00:08:59: Manchmal sind wir dann mal sehr verwundert wie sie so eine Eigendynamik schafft.
00:09:03: Also wir sind eine sehr hohe Anlaufstelle für Menschen aus diesen Regionen zum Beispiel.
00:09:10: Du leitest die Redaktion gemeinsam mit Julia Reiter, was sind denn eure Schwerpunkte redaktionell und was ist euch wichtig?
00:09:16: Und was macht sie bewusst journalistisch nicht?
00:09:20: Also was uns erst mal wichtig ist ganz nah am Menschengeschichten zu erzählen das ist auch das was glaube ich unsere Redaktions oder unser Arbeitsalltag so besonders macht.
00:09:29: wir sind eben Teil einer sozialen Organisation.
00:09:31: im Vergleich zu vielen anderen Medien sind wir sehr nah dran an starken Problemfeldern die in der Caritas verankert sind Und dadurch haben wir auch den Zugang, sag ich mal... Die Szene ist der falsche Begriff.
00:09:44: Aber in Zukunft zu dieser Gruppe an Menschen die mit verschiedensten Problemen konfrontiert sind und die wird dann sozusagen auf Augenhöhe versuchen näherzubringen.
00:09:52: Das ist uns sehr wichtig.
00:09:53: Wir wollen ungern Menschen verprellen also schnell schnell eine Geschichte erzeugen schnell schnell ein trauriges Fotoschießen.
00:10:01: Uns geht es darum das auf Augen Höhe zu machen und dass ein gegenseitiger Benefit besteht.
00:10:06: Das ist heutzutage leider, habe ich das Gefühl zumindest in vielen Medien abhanden gekommen der Respekt vor den Klientinnen und vor denen mit denen man sozusagen die Geschichte erzählt oder deren Geschichte man überhaupt erzählen möchte.
00:10:19: Es geht dann mehr um die Geschichte als um die Menschen.
00:10:22: Und dass es mir eben sehr wichtig und das versuchen wir auch aktiv zu vermeiden um auf deine Frage zurückzukommen.
00:10:29: auf dem Weg des Prozesses zu verlieren.
00:10:31: Wir wollen im Kontakt bleiben, wir wollen auch mit gegenseitigem Respekt die Geschichten erzählen und das ist unser Ziel.
00:10:38: Ich habe natürlich ein bisschen in der Vorbereitung reflektiert über mein eigenes Kaufverhalten.
00:10:46: Du wirst es vielleicht eh nicht das erste Mal hören wenn so die Monatsmitte schon erreicht ist dann tappe ich mich bei dem Gefühl naja das kaufe mir jetzt nicht mehr das ist ja eh nicht neu was relativ absurd, dass wir eure Geschichten selten topaktuell sind.
00:10:59: Glaubst du ich bin allein mit dem Gefühl?
00:11:02: Nein auf gar keinen Fall!
00:11:03: Wir haben zum Ende letzten Jahres eben in unserem Jubiläumsjahr noch eine Leser-Innenumfrage gestartet.
00:11:10: die habe ich zusammen mit dem Center for Social Research der Uni Graz erstellt und da hat sich eben auch gezeigt das viele Menschen entweder im Laufe des Monats versäumen zu kaufen und dann nicht mehr das Magazin kaufen oder nur noch zur Hälfte des Monads sagen ach Da gebe ich einfach ein, zwei Euro das Vagalgeld oder was ich sonst in der Tasche dabei habe.
00:11:30: Aber kauf das Heft eben nicht!
00:11:33: Du bist also dementsprechend nicht alleine?
00:11:34: Das kann ich schon mal sagen.
00:11:36: Schön wär's trotzdem wenn du es im Zukunft noch kaufen würdest auch wenn Mitte des Monats ist.
00:11:39: unsere Inhalte sind eben nicht zeitlich haben kein zeitliches Verfallstatum und können über den ganzen Monat gerne gelesen werden.
00:11:48: Auch darüber hinaus tatsächlich
00:11:50: Ja... Ich werde mich bei der Nase nehmen.
00:11:54: Was mich mit dem Megafon auch verbindet, ist dass ich ungefähr alle fünfzehn Jahre eine Geschichte bei euch schreibe.
00:11:59: Wiesen das Leute die gern schreiben können sich die an euch wenden.
00:12:04: Eure Honoraris sind übersichtlich aber man kriegt unter Umständen sogar was, was euch von anderen Medien unterscheidet.
00:12:12: Aber wie funktioniert denn der Prozess?
00:12:13: Also da ist jetzt ein junger Mensch oder meinetwegen alter Mensch und hat eine Idee für eine Geschichte, wie läuft es dann?
00:12:22: Wie du schon gesagt hast, generell darf sich jeder bei uns melden der die Lust hat oder die Lust packt eine Geschichte zu erzählen sie vielleicht nicht woanders hat unterbringen können.
00:12:30: Oder mit einem neuen Spin bei uns vielleicht noch mal veröffentlichen möchte.
00:12:33: wir sind einmal sehr offen meine Co-Redaktionsleiterin Julia Reiter und ich Wir sind...oder unsere E-Mails Post Fächer stehen immer offen für alles.
00:12:42: unsere Adressen sind auf der Website und gerne einfach in die Mailpost-Fächer reinsleiten sozusagen.
00:12:48: In die DMs geht auch, aber auf Insta passiert bei mir wenig.
00:12:50: Dementsprechend wird man bei mir nicht wahrscheinlich auftauchen, aber bei meiner Kollegin vielleicht und das ist immer sehr gerne gesehen und wir freuen uns auch über Inspirationen oder Kooperation in der Hinsicht.
00:13:01: Wir können es an allen Ecken gebrauchen und das zeigt uns auch immer wieder da das doch tatsächlich immer wieder passiert dass wir einen relativ hohen Zuspruch haben in der Szene Aufseiten der Leserinnen, die gerne etwas mitteilen möchten.
00:13:17: Was fehlt dir noch am Megafon?
00:13:18: Was wäre denn super wenn man noch im Blatt hätte?
00:13:22: Im Blatt oder für das Projekt?
00:13:24: Und mir ist beides!
00:13:25: Aber jetzt mal auch im Magazin weil wenn ich es durchlese denke mich immer ja es ist lieb Es ist okay, es ist gut aber irgendwie... Man hätte halt dann noch Wünsche.
00:13:37: keine Ahnung Ich könnte es nicht einmal formulieren aber du wirst öfter über das Magazin nachdenken als ich.
00:13:42: Ja Es ist so ein bisschen schwer zu sagen.
00:13:44: Ich habe natürlich Wünsche, die möchte ich gar nicht groß verbalisieren weil sie sonst schweben Sie die ganze Zeit über mir und ich hab'n schlechtes Gefühl, weil ich es dir nicht umsetzen kann.
00:13:53: Tatsächlich möchte ich einfach mit meinen limitierten Ressourcen und denen meiner KollegInnen endlich eine Arbeit machen dem auch wert ist, was das ganze Projekt mit sich bringt.
00:14:03: Das hat die letzten Monate nicht immer ganz funktioniert.
00:14:06: es kamen tausend Dinge nebenbei.
00:14:07: wir mussten sozusagen unseren eigenen Hintern retten finanziell.
00:14:11: Das sind Dinge die wenig mit journalistischer Arbeit direkt zu tun haben sondern mehr mit Existenzsicherung.
00:14:16: da bleibt natürlich viel auf der Strecke.
00:14:18: Es wäre eigentlich ganz schön wenn wir in einen redaktionellen Fluss kommen der sich wirklich auf das Redaktionelle bezieht und dort auch bleibt, so dass wir unsere Arbeit immer ein bisschen besser machen können.
00:14:28: In letzter Zeit ist es eher das Gegenteil beziehungsweise ein sehr schwankender Prozess und ich glaube, das kennst du auch wenn man nicht in einem Flow ist dann werden die Ergebnisse am Ende auch eher mal so, mal so Und ich glaube das fehlt dem Megafon sehr stark.
00:14:43: also eine gewisse Konstanz nach oben hin sag' ich mal sich zu verbessern und darüber hinaus.
00:14:50: Es ist immer Platz da, theoretische Dinge auszuprobieren.
00:14:53: Die Möglichkeit habe ich jetzt auch mit meiner Kollegin zusammen, Dinge auszuprobieren aber dafür müssen die Ressourcen halt da sein und ich will es jetzt nicht verschreiben.
00:15:00: deshalb sage ich gar nichts was ich mir so alles zu gewünschen würde damit nicht irgendwer sagt man das habt ihr ja immer noch nicht umgesetzt in drei Jahren.
00:15:08: Ich nutze erstmal den Münster.
00:15:09: Rainer Wie beurteilst du denn die Medienlandschaft in Graz?
00:15:15: Naja verhältnismäßig dünn Aber gemessen an dem was ich in Münster oder Ausmünster kenne Ebenwürdig, tatsächlich.
00:15:22: Es ist in der Art großen Städten um die drehunderttausend oder knapp drunter.
00:15:27: leider glaube ich oft das Problem dass die Medienlandschaft so in den letzten Jahren sehr stark ausgedünnt wurde.
00:15:33: Die Fördergelder werden gekürzt sowie letztes Jahr auch gesehen und am Ende stehen nur noch ein paar Medien da die wiederum auch sehr stark ihre Redaktionen runterkürzen weil die Gelder fehlen.
00:15:44: also die Entwicklung geht in die Richtung, dass es immer weniger wird und ich muss sagen das ist etwas sehr sehr beängstigendes wenn ich daran denke welch wichtige Rolle sie dann doch haben.
00:15:53: Wenn alles nur noch über Social Media kommuniziert wird oder über große Medien die nationalweit sozusagen berichten dann bleibt so dass lokale das nahe am menschen doch schnell auf der Strecke.
00:16:06: Das bin ich sehr schade und das ist in Münster eben sehr schnell auch der Fall gewesen, in den letzten Jahren habe ich beobachten können dass sich da doch ein neues Medium auch hat gründen können, das ROMS Ein sehr cooles Projekt als Lokalmedium.
00:16:18: was wirklich sich gesagt hat wir wollen das ganze Ding neu denken.
00:16:23: In Münster gibt es übrigens auch eine Straßenzeitung die draußen.
00:16:27: Die kann aber dann nicht mithalten mit dem neuen ROMs Aber sie besteht weiterhin keep going.
00:16:32: Und daneben gab es eben die westfälischen Nachrichten bzw.
00:16:35: die Münstersche Zeitung, die ähnelt so ein bisschen hier der kleinen Zeitung.
00:16:39: und da hat sich dann eben dein neues Medium gedacht, da preschen wir rein!
00:16:41: Da wollen wir jetzt mal was Neues machen und das finde ich sehr cool und ich glaube dafür gibt es hier Orts auch immer wieder Potenzial nochmal Dinge auszuprobieren.
00:16:49: Beschreibe warum noch kurz ist das ein Printprodukt?
00:16:54: Nein, es ist also soweit ich weiß hauptsächlich ein digitales Projekt was sich auf die Fahne geschrieben hat sozusagen die Geschichten aus Münster ganz schnell und kurz mitzuteilen.
00:17:04: Hin und wieder gibt das auch ein paar Textwüsten wo man sich dann durchklicken darf.
00:17:07: aber es geht darum sozusagen nah an der Stadt zu sein und mehr an der wie soll man sagen an der pulsierenden Gesellschaft der Stadt und nicht so weit von oben Und das finde ich eigentlich einen sehr coolen Ansatz.
00:17:19: Die Redaktion ist sehr, sehr jung und sehr heterogen aufgestellt, teilweise migrantisch besetzt mit Queerenpersonen da drin so dass man sagt man hat verschiedenste Blickwinkel auf eine junge sehr studentische Stadt und das zum Beispiel fehlt den Kratz noch ein bisschen.
00:17:33: Da kann das Megaphone z.B.
00:17:35: in seinen limitierten Möglichkeiten gar nicht reinschlagen und wir müssen natürlich auch was anderes bedienen.
00:17:40: Du hast das Thema Förderungen schon angesprochen.
00:17:42: In Österreich zumindest, dass es so große Medienhäuser kriegen Millionen kleine unabhängige Medien mehr oder weniger unabhängig aber sagen wir mal wie das Megafon zum Beispiel kriegen wenig bis nichts.
00:17:54: ist das Medienförderung wie sie sein sollte?
00:17:58: Aus meiner persönlichen Sicht nein.
00:18:00: also generell bin ich der Meinung dass Medien gefördert werden sollten auf einem Nach einem Maßstab, der die Qualität misst und was auch immer das sein mag.
00:18:09: Das muss dann genau definiert werden.
00:18:11: Bisher erscheint mir das nicht der Fall zu sein.
00:18:13: also große Medien bekommen, Medienhäuser bekommen Geld, publizieren was immer sie möchten teilweise populistische Propaganda bis hin zu klassischem Boulevard, der keinerlei wie soll man es sagen Informationswert mit sich trägt.
00:18:30: Meine Meinung ist jetzt ganz persönlich gesagt und da wird sehr viel Geld reingesteckt.
00:18:34: wohin gegen kleine Medien?
00:18:36: Ich sag's jetzt einfach, einen Tag aus den Arsch auf Reisen kriegen am Ende nix und stehen ein bisschen blöd da.
00:18:42: Müssen um ihre Existenz kämpfen?
00:18:44: Müssen Crowdfundings aufstellen so wie wir letztes Jahr.
00:18:48: das ist etwas was in mir ganz viel Unruhe auslöst und die ich ganz beunruhigend finde und hoffe dass sich da in Zukunft noch sehr viel daran ändern wird.
00:18:57: dafür müssen aber glaube ich kleinere Medien auch sehr stark zusammenhalten und sich gegenseitig stützen.
00:19:04: Ich bin jetzt zumindest am Rande mit der Ausbildung junger Menschen konfrontiert, die nach wie vor den Journalismus wollen.
00:19:10: Demokratiepolitisch auch, du hast sinnvoll.
00:19:12: Was sollen wir ihnen zum Beispiel an der FH mitgeben und warum macht sie immer noch Sinn diesen Weg gehen zu wollen?
00:19:20: Boah das ist eine sehr große
00:19:21: Frage!
00:19:22: Große Fragen hier in einem kleinen Podcast.
00:19:28: Also ich bin der Meinung dass Journalismus etwas fast schon Zeitloses hat, es geht darum eben Menschen zu informieren und versuchen eine möglichst objektive Haltung mit reinzubringen.
00:19:39: Ich komme aus den Geistes- und Sozialwissenschaften.
00:19:41: ich weiß das Objektivität eine Illusion ist.
00:19:43: Das gibt es einfach nicht.
00:19:44: man muss sich auch im Kontext des Geschehens sehen und wahrnehmen und ich glaube dass das sehr wichtig ist.
00:19:50: Ich glaube viele junge angehende Journalistinnen sollten nicht sozusagen den Wunsch haben, die Objektivität par excellence zu sein sondern sich selber zu verstehen.
00:20:00: Sich mit einzubringen und ihre eigene Meinung zu kontextualisieren.
00:20:03: das ist sehr wichtig.
00:20:05: ich glaube dass es auch für lesende oder hörende sehende was auch immer am ende etwas mit dem sie sich am ehesten widerspiegeln könnten.
00:20:12: also das ist ja sehr entscheidend für mich und ich glaube Wichtig wird vor allem weiterhin in Zukunft im Kollektiv zu denken, was ich gerade meinte.
00:20:24: Kleinere Medienprojekte müssen sich sozusagen zusammenschließen bzw.
00:20:31: in kollektiven Denken erweitern damit sie am Ende sich ein bisschen behaupten können gegen diese großen Algorithmen, gegen die sozialen Medien, gegen US-Unternehmen, gegen Medienhäuser, die noch immer supportet werden durch viele Gelder.
00:20:48: Da, glaube ich, steckt sehr viel Potenzial auch sich wieder zu finden.
00:20:52: Ich will natürlich nicht sagen dass alle dort landen müssen.
00:20:54: Andere dürfen auch in die großen Medienhäuser gehen wenn sie die Ambition haben.
00:20:59: aber ich glaube es ist wichtig immer auf das zurückzubezinnen was Sie selber am liebsten konsumieren.
00:21:05: und ja... Sehr schwere Frage ehrlich gesagt weil man kann sich darin sehr sehr verlieren und so schvadronieren und große Floskeln abladen.
00:21:15: Aber ich hoffe jetzt habe ich einigermaßen auf den Punkt gebracht
00:21:17: Ein pragmatischer Journalist.
00:21:20: Zwanzig, fünfundzwanzig habt ihr – du hast es erwähnt den dreißigjährigen Geburtstag gefeiert?
00:21:25: Wird das mega von den Fünfziger auch zelebrieren?
00:21:29: Unbedingt!
00:21:29: Ob ich dann dabei sein werde, das weiß ich nicht….
00:21:31: Ich bin
00:21:32: ein junger Mensch also.
00:21:33: Ich
00:21:33: bin ja ein jungerer Mensch genau, ich gehe jetzt auf die Dreißig zu und es tut schon bisschen weh, ich habe ein bisschen Angst aber...
00:21:38: Nicht so
00:21:38: wie ….
00:21:39: Ja am Ende ist es immer halbso schlimm, aber ich glaube wenn man sich damit daraus enthalten hat, ist das hier so eine große Dreißigkeit über meinem Kopf schwebt.
00:21:47: Aber ja, ich werde auf jeden Fall vorbeischauen bei dem Fünfzig Jahre-Event und ich hoffe dass das Megafon bis dahin sogar noch gewachsen ist.
00:21:53: Ich glaube da steckt sogar sehr viel Potenzial drin!
00:21:56: Eine Straßenzeitung ist etwas gefühlt für mich... Das hat was Zeitloses obwohl das Prinzsterben so voranschreitet weil es eben diese soziale Komponenten hat und ich hoffe dass das immer weiter erleben wird und wir unseren sozialen Zugang auch nicht verlieren werden.
00:22:14: Wir alle sozusagen im Miteinander.
00:22:16: Deshalb fünfzig Jahre unbedingt.
00:22:18: Eine deiner Vorgängerin ist ja immerhin Vizepürgermeisterin geworden, ein Weg in die Politik.
00:22:25: Würdest du das ausschließen?
00:22:27: Ja tatsächlich würde ich es ausschliessen!
00:22:29: Ich glaube ich bin nicht der Mensch für große Reden und ich glaube auch kein Mensch der gerne im Mittelpunkt stehen möchte.
00:22:37: Das selten gesucht.
00:22:39: Ich erzähle zwar gerne Geschichten und erzähle die andere, aber ich möchte mich selber nicht unbedingt im Fokus sehen.
00:22:45: Politik ist ein sehr ich-zentriertes Business.
00:22:49: es geht um Charisma, es geht darum, die eigene Vorstellung und die eigenen parteipolitischen Interessen zu vertreten.
00:22:55: dafür bin ich glaube ich nicht der Richtige, ich bin eher der, der darüber berichtet oder von außen Judgy drauf schaut.
00:23:01: das ist dann eher meine Art.
00:23:03: So.
00:23:03: wir kommen schon zum letzten Rubrik in aller Kürze.
00:23:06: Meine Fragen sind so mittelkurz, aber deine Antworten sollten recht kurz sein.
00:23:10: Was machst du in der Früh?
00:23:11: als erstes ins Handy schauen oder in irgendeine Art von Zeitung?
00:23:14: Ins Handyschaun.
00:23:16: Beschreib Graz in drei Worten.
00:23:20: Warm, schön und offenherzig – sehr offen herzig.
00:23:27: Apropos Straßenzeitungen, wo ist denn deine Lieblingsstraße in Graz?
00:23:34: Das ist meine.
00:23:35: Es ist in Jacomini direkt meine Straße, in der ich wohne.
00:23:39: Das ist die Castellfeldgasse.
00:23:42: Schöne Straße ja!
00:23:43: Letzte Frage rot oder schwarz und das ist nicht politisch gemeint?
00:23:48: Schwarz, es lässt sich leichter kombinieren.
00:23:51: Claudia, herzlichen Dank dass du da warst.
00:23:54: Viel Erfolg mit dem Megaphone XXX.
00:23:57: Lieber Hörerinnen und Hörern kaufen definitiv auch zum Monatsmitte oder danach Oder auch gerne mal den Chef oder die Chefin fragen, ob ihr vielleicht irgendwelche Aktivitäten gemeinsam mit dem Megafon machen könnt.
00:24:09: Das wäre tatsächlich glaube ich sehr wichtig für eine Stadt wie Graz und eigentlich auch darüber hinaus weil das Megafone gibt es in der einen oder anderen Bezirkstadt.
00:24:18: Danke fürs Zuhören!
00:24:20: Bis zum nächsten Mal habt's eine gute Zeit.
00:24:24: Dankeschön für die Einladung.
00:24:25: Sehr gern.
00:24:32: Wenn es euch gefallen hat, bewertet das Werk
00:24:35: doch bitte positiv
00:24:36: und teilt es auf dem Kanal Eurer Wahl.
00:24:39: Ewige Dankbarkeit ist euch gewiss!
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